There is no Anti-Zionism without Anti-Semitism
There is no Anti-Zionism without Anti-Semitism

August 2017

28. August 2017

Ein Maulheld und das große Einseifen

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Oder: Niemand hat die Absicht ein Gedicht zu lesen

 

Schlamperei, das mit dem vertrauten Strom der Rede Schwimmen, gilt für ein Zeichen von Zugehörigkeit und Kontakt: man weiß, was man will, weil man weiß, was der andere will. Beim Ausdruck auf die Sache schauen, anstatt auf die Kommunikation, ist verdächtig. (Adorno)

 

„Obwohl sich Franco Berardi von seinem KZ-Vergleich distanzierte, nahm er vom Inhalt seiner Thesen nichts zurück. 'Ich werde das Wort Auschwitz nicht mehr benutzen, aber das Konzept bleibt', sagte Berardi, der einen 20-minütigen Vortrag hielt. 'Wenn die italienische Regierung Hilfsorganisationen kriminalisiert und die Leute lieber ertrinken lässt, dann nenne ich das Vernichtung.'“ fasste die HNA am 26.08.2017, ohne den Widerspruch in der getätigten Aussage in Gänze zu durchdringen, die Quintessenz des Abends zusammen, an dem ursprünglich die Performance „Auschwitz on the beach“ stattfinden sollte. Auch der HR versuchte am 25.08.2017 dem Clou des Berardi auf die Schliche zu kommen: „Ich wollte den Namen Auschwitz als Schutzschild benutzen, gegen den Faschismus, der wiederkommt. Gegen den Holocaust, der am Horizont lauert!“ zitiert der HR Berardi und verwies darauf, dass er keineswegs bedauere, das Gedicht geschrieben zu haben. "Mein Gedicht ist nicht schlecht, aber wenn es Leiden hervorruft, ist es nichts wert", sagte er.

 

Die ursprüngliche Absicht, die Performance „Auschwitz on the beach“ wurde im Zusammenspiel der Infostelle Antisemitismus Kassel und der Jüdischen Gemeinde erfolgreich skandalisiert und führte zum schrittweisen Zurückrudern der Verantwortlichen. Der verkündete Wunsch, gegen den Autor strafrechtlich vorzugehen, führte vorhersehbar zu nichts, denn sowohl Auschwitz überall zu entdecken, nur dort wo es war nicht und auch Antisemitismus ist in seiner nach 1945 gesellschaftlich weitgehend akzeptierten Form („Israelkritik“) nicht strafbar, sondern Bestandteil politischer Kultur. Auch die Hoffnung auf die Zivilgesellschaft, die ja gerade das mit schlafwandlerischer Sicherheit hervorbringt, was zu kritisieren ist, und deren Empörungswelle ein Berardi so hervorragend zu reiten versteht, ist naiv.

 

Die Reaktionen der politischen Schlafmützen aus Hessen und Kassel lassen vermuten, dass die vorher gemachten dicke Backen eher der Furcht um den guten Ruf der Stadt Kassel geschuldet waren, als einer grundsätzlichen Kritik an Performance und Künstler. Nachdem die documenta verkündete, die Performance abzusagen, begrüßten laut HNA am 23.08.2017 der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle und der Hessische Minister Boris Rhein diesen Schritt. Geselle wird in der HNA zitiert: „Ich begrüße es, dass die Performance nun einen neuen Titel – Shame on us – und ein neues Format bekommen hat. Ich bin allen Beteiligten dankbar, dass wir diese Lösung gefunden haben.“ Auch Werner Fritsch, Ressortleiter Kultur bei der HNA, kommentierte gestern erleichtert: „Ihre Entscheidung, statt der Performance nun eine Diskussionsveranstaltung zu diesem Thema anzusetzen, ist daher doppelt richtig. Geselle heimste sich dadurch unverdienten Ruhm ein, die Aktion, Auschwitz zu relativieren verhindert zu haben, was aber nicht der Fall war, denn das Gedicht sollte trotzdem verlesen werden. Man konnte also getrost annehmen, dass sie das „Gedicht“ Berardis nicht gelesen oder verstanden hatten, aber auch nicht so genau hingeschaut haben, was Kurator und documenta-Leiter Szymczyk von sich gegeben hatten, um Berardi und ihre Aktion zu rechtfertigen. (Das Parlament der Körper. Shame on us ...)

 

Als dann genau dies ruchbar wurde, ließen sich die Vertreter der Zivilgesellschaft in Gänze einseifen und gaben sich dem Dialog, anstatt der begrifflichen Mühe hin, und anstatt einer angebrachten Kritik des faulen Obstes, gaben sie dem politischen Großmaul und Desperado die Möglichkeit, sich als Opfer von (unberechtigten) Beschwerden und Anschuldigungen zu inszenieren und um dem Ganzen eine Krone aufzusetzen, ließ sich eine Vertreterin der Kasseler Zivilgesellschaft dazu hinreißen, Berardi als Helden zu küren. Wenige Stunden vor Beginn der Veranstaltung hatten sich Vertreter der jüdischen Gemeinde und andere mit der documenta-Leitung und Berardi getroffen und sich über einen Verzicht auf den Vortrag des Gedichtes verständigt.

 

Eine inhaltliche Kritik der Aktion, aus der hätte hervor gehen können, dass Berardi kein Marxist, wie es in den Medien hieß, sondern ein Maulheld ist, ein üblicher Vertreter der Gesinnungsethik und des gesellschaftlich konformen Antisemitismus eben, wurde von keinem der Beteiligten geleistet. Die Wortmeldungen, der Vergleich sei obszön und linksradikal, die moralische Empörung, wie sie von der Vertreterin der jüdischen Gemeinde in Kassel geäußert wurde, „es ist aus unserer Sicht höchst unverantwortlich und ein Ausdruck mangelnder Empathie gegenüber diesen Menschen, die Begriffe Auschwitz und Zyklon B im Rahmen einer künstlerischen und politischen Veranstaltung zu instrumentalisieren.“ ist so richtig wie hilflos, sie dringt nämlich nicht zum Kern der Sache vor. Und so erwies sich die Verabredung auf das Gedicht zu verzichten als heiße Luft, und die frohlockende Meldung, die Veranstalter hätten ob des Protestes der Zivilgesellschaft eingelenkt, als frommer Wunsch.

 

Hätte Berardi tatsächlich einen Vergleich angestrengt, was wäre dagegen zu sagen gewesen. Es ist ja tatsächlich so, dass unter europäischer Regie Internierungslager in Libyen und anderswo errichtet werden, in denen unter der Regie von nicht selten islamistischer Banden, Flüchtlinge festgesetzt werden und wo man lieber nicht wissen möchte, was dort passiert und wie es den Geflohenen dort ergeht. Teilweise werden sie von jenen Banden auch der Sklaverei zugeführt oder bevor sie das vermeintliche Sprungbrett nach Europa erreichen, vergewaltigt, ausgeraubt und getötet, um dann im Wüstensand verscharrt zu werden, auf dem Sinai tut sich in diesem Sinne ebenfalls eine Gruppe islamistischer Brüder hervor, die man durchaus auch als Gesinnungsgenossen der Hamas bezeichnen darf. Dass sich also die Behandlung der Flüchtenden nur graduell von der in Dachau oder Buchenwald praktizierten unterschiedet kann angenommen werden. Nur stehen Buchenwald und Dachau aber nicht für das, was den Nationalsozialismus ausmacht, auch wenn dies gemeinhin so propagiert wird.

 

Die unmenschliche, bisweilen terroristische und oft willkürliche Behandlung von Unangepassten, politischen Gegnern und anderen gesellschaftlichen dropouts war die Methode des Faschismus aber auch des Stalinismus. Diese Methoden, tatsächliche und vermeintliche politische Gegner und Unangepasste einzuschüchtern war sicher ein, wenn auch nicht der spezifische Bestandteil nationalsozialistischer Herrschaft. Die Ausrottung z.B. der Kommunisten, „Asozialen“ und Homosexuellen als Personen, war nicht das Ziel der deutschen Volksgemeinschaft und nationalsozialistischen Herrschaft. Schwor der Betroffene ab, „bewährte“ er sich, hatte er durchaus ein Chance zu überleben und Teil der Volksgemeinschaft zu werden.

 

Der ideologische Kern des Nationalsozialismus ist hingegen der Antisemitismus und dieser läuft auf die Vernichtung des Juden hinaus. Wer als Jude identifiziert wurde, verkörperte das Gegenprinzip der Volksgemeinschaft und sollte folglich „ausgemerzt“ werden. Wer so tut, als wäre autoritäre Herrschaft und politische Verfolgung, verkörpert durch das Konzentrationslager, das Prinzip des Nationalsozialismus, verkennt und leugnet die Quintessenz des Nationalsozialismus und der deutschen Volksgemeinschaft. Für den Nationalsozialismus stehen eben weniger Dachau und Buchenwald, als vielmehr Auschwitz, Sobibor, Treblinka und Maidanek, sowie die unzähligen Vernichtungsaktionen deutscher Streitkräfte im Osten.

 

Aber um Vergleiche um so z.B. die Unterschiede herauszuarbeiten und einen angemessenen Begriff davon zu entwickeln, was in Nordafrika und im Mittelmeer passiert, darum ging es nicht. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Erregung eines öffentlichen Ärgernisses zur Erheischung maximaler Aufmerksamkeit das Ziel war, um sein Kunsthandwerk an den Mann und an die Frau zu bringen: Auschwitz sells.

 

Im Beharren Berardis, weiter von Vernichtung und Holocaust zu reden und somit etwas verklausuliert zwar, aber trotz aller öffentlicher Empörung eben doch das Chiffre Auschwitz zu bemühen, wird auch deutlich, warum er von seinem Gedicht nicht abrückt, sondern sich als verfolgte Unschuld darstellt. In der theatralischen Geste, das „Gedicht“ zu zerreißen – es fehlte nur noch, es an den Pantheon verbotener Bücher zu heften – der Beifall vieler wäre ihm Gewiss gewesen, ist eine pathetisch Überhöhung der Unart überführter Antisemiten, die meinen, mit einem „war nicht so gemeint“ und man bedaure, Gefühle verletzt zu haben, sei das Problem aus der Welt. Dass ihm dann noch der Titel des Helden angetragen wurde, dürfte dafür sorgen, dass der Maulheld zukünftig Vorwürfe mit dem bekannten bonmot des Antisemiten pariert: Einige meiner besten Lobsprecher sind Juden.

 

Der wesentliche Kern der Sache ist jedoch die kurze Sentenz, in der er Israel unterstellt, Gauleiter zu sein und diesen dann noch unmittelbar mit ZyklonB in Beziehung zu setzen. Diese Argumentationsfigur in den Juden die Nazis von heute zu sehen, war und ist Bestandteil der Ideologie des nach 1945 gesellschaftlich konformen Antisemitismus, nämlich „Israelkritik“ und Antizionismus. Diese Ideologie findet sich auch bei einigen anderen Kunstwerken der documenta im Ausstellungsteil an der Hauptpost. Außer dem Bündnis gegen Antisemitismus Kassel (Wo Engagement drauf steht ...) hat davon aber bisher keiner Notiz genommen, was wiederum Ausdruck der gesellschaftlichen Zustände und der der Zivilgesellschaft ist.

 

Und dann war ich da - […] Sonst nur noch Dunkelheit für mich. Ich war Wachs in seinen Händen gewesen, und seine Komplizen waren Wachs gewesen. Er hatte sie ebenso hereingelegt, wie sie ihm geholfen hatten, die anderen hereinzulegen – und ich hatte ihn laufenlassen. (Dashiell Hammett)

 

(jd)

 

Das "Gedicht", das keineswegs aus der Welt ist, kann hier nachgelesen werden:  Resignation letter.

 

Das BgA-Kassel protestierte am Abend, an dem Berardi eine Bühne geboten wurde. Die Rede zur Protestkundgebung kann hier nachgelesen werden (Bifi stat Bifo).  

 

 

16. August 2017

Wo Engagement drauf steht ist (auch) Antisemitismus drin: documenta 14

Auschwitz on the beach

 

Man mag der documenta gern die pennälerhaften Aphorismen von Title on the Spot und den ganzen Lebensreform-Quatsch verzeihen, weil es ja sonst auch Interessantes auf der Ausstellung gibt. Aber eines ist so überraschungsfrei wie vorhersehbar. Der Anspruch unvermittelt das Kunstwerk dem politischen Engagement "gegen die Bündnisse von etablierter Politik und Geschäft" (Adam Szymczyk) zu unterwerfen führt mit schlafwandlerischer Sicherheit zur Illustrierung des Antizionismus und Antisemitismus. Konnte schon Peter Friedl mit seiner ausgestopften Giraffe auf der documenta 12 den Pokal für den absurdesten Holocaust-Joke erhalten, so wollen jetzt Franco Bifo Berardi, Fabio Stefano Berardi und Dim Sapaio versuchen, den Rekord für die verbalradikalste Holocaust-Verharmlosung für die documenta 14 aufzustellen.

 

„Europeans are building concentration camps on their own territory, and are paying their Gauleiter of Turkey, Libya, and Egypt to do the dirty work on the coast of the Mediterranean where saltwater has replaced Zyklon B.“ heißt es in der Ankündigung. „Dem kunstinteressierten Besucher der Documenta sollte allerdings, wenn er dann ganz betroffen an dem Spektakel teilnimmt, nicht vorenthalten werden, dass es eigentlich auch um den „Gauleiter“ Israel und seinen Einsatz von „Zyklon B“ geht, zwei Details, die die Kuratoren offenbar aus Rücksicht auf etwaige empörte Reaktionen aus dem Originaltext gestrichen haben.“ führt Thomas Osten Sacken zu recht auf Mena-Watch das aus, was eigentlich ausgedrückt werden soll.

 

Kinder lügen nicht

 

An anderer Stelle dieses. Das Bild wird wie folgt betitelt: "Dayr al-Balah, Gaza 2009". Der politisch engagierte Documentabesucher weiß natürlich auch ohne Hoheitszeichen wer hier wer ist. Auf der einen Seite nämlich die schwer bewaffneten Israelis, die auf alles schießen, auf der anderen Seite ein Berg mit Schutt und Leichenteilen, ein UNICEF-Gebäude unter Feuer, dann tapfere Kämpfer, die sich mit ihren Qassam-Raketen den Panzern und Hubschraubern entgegen stellen. Und der Besucher weiß auch, Kinder lügen nicht.

 

Israel? Gibt es nicht!

 

Eine der in der Ausstellung präsentierten Künstlerinnen ist Frau Ahlam Shibli. Auch sie widmet sich dem Thema Vertreibung, wobei sie den Link von den Vertriebenen aus den "östlichen Regionen des ehemaligen deutschen Reichs" zu "Gastarbeitern" aus Südeuropa und Nordafrika hinbekommt. Das geht nur dann, wenn man nichts thematisiert, aber alles problematisch findet. In ihrer anderen Arbeit widmet sie sich der Stadt Hebron mit dem Ziel, das Gebiet der palästinensischen Stadt zu porträtieren. Hebron war eine der arabischen Städte, in der es eine uralte jüdische Gemeinde gab. Die jüdischen Bewohner wurden nach einem Pogrom im Jahre 1929 aus Hebron vertrieben, seitdem gilt Hebron als "judenrein". Erst nach 1967 zogen einige Juden wieder nach Hebron, die dort aber nur unter dem Schutz der Israelischen Streitkräfte (IDF) leben können. Die Künstlerin ist 1970 in Arab al Shibli geboren. Auf der documenta wird das vornehm verschwiegen, sie sei in Palästina geboren, heißt es. Arab al Shibli ist eine Stadt in Israel, in der Araber die Bevölkerungsmehrheit stellen. In Israel stellen die Araber etwa ein Fünftel der Bevölkerung. In den unter palästinensischer Hoheit stehenden Gebieten leben wie auch in vielen arabischen Ländern hingegen seit 1948 keine Juden mehr. Aber bekanntlich arbeitet Ahlam Shibli an einem besseren Verständnis der Gegenwart, nur halt eben mit alternativen Fakten.

 

Vertreibung und Vernichtung

 

Und weil das Thema Vertreibung auf der documenta eben zentraler Bestandteil des politischen Bezuges ist, darf die sogenannte Nakba auch nicht fehlen. 418 Dörfer sind im Krieg 1948 zerstört worden und ein Memorial galt es zu errichten. Und weil der oder die Empörte auch sonst nichts weiß, beim Thema zerstörte Dörfer dürften ihnen die Mordfelder in Weißrussland anno 1941-1943 einfallen. Deutsche Truppen zerstörten damals aber nicht nur die Dörfer, sondern brachten deren Bewohner gleich um. Aber zu viel Differenzierung schadet den Gewissheiten der Empörten, daher sieht der Engagierte nicht nur in Auschwitz on the beach, sondern auch in killing fields in Palästina die richtigen Lehren aus der Geschichte gezogen. Dass Vertreibung und Flucht palästinensischer Araber ein Ergebnis des arabischen Angriffskrieges gegen das gerade gegründete Israel 1948 gewesen sind, dass die allermeisten Bewohner dieser Dörfer ein paar dutzend Kilometer entfernt sich wieder niedergelassen haben wird selbstverständlich ebenso wenig erwähnt, wie die Vertreibung der Juden aus den arabischen Nationen. Dafür gibt es (s.o.) den Bezug zur Umsiedlung, Flucht und Vertreibung der Deutschen am Ende und nach dem 2. Weltkrieg.

13. August 2017

Reminiszenzen zur Kollaboration mit der Faschoislam-Connection in Kassel

Verschiedentlich ist ausgeführt worden, dass es ideologische Affinitäten von Faschismus und Islamismus gibt. (Thomas Osten-Sacken, Matthias Küntzel, Hamed Abdel Samad u.a.) Dann sei hier darauf verwiesen, dass die wohlfeile Trennung von Islam und Islamismus falsch ist. Islamismus ist gemeinhin der Begriff für politischen Islam, was aber ein Pleonasmus ist, weil der Islam im Gegensatz zum Christentum (und zur jüdischen Religion) explizit einen Anspruch auf die weltliche Herrschaft formuliert und dieser Herrschaftsanspruch ist durchweg reaktionär. Zwar gibt es auch von der Weltlichkeit abgekehrte Muslime, wie z.B. einige Sufisten auch einige liberale Muslime, die die totalitären politisch-gesellschaftlichen Ansprüche des Islam zurückweisen. Dennoch, der Islam wird von seinen Anhängern gelebt und es liegt in der Natur der Sache, dass beide genannte Spielarten der Interpretationen des Islam keine oder nur eine marginale Rolle spielen. Deswegen ist es so, dass zwar nicht jeder Muslim ein potentieller Demokratieverächter, Reaktionär, Frauenfeind oder gar Terrorist ist, dass aber die, die "im Namen des Islam" morden oder ein reaktionäres Weltbild verbreiten natürlich auch Muslime sind. Und um einem weiteren Einwand vorwegzugreifen, es gibt auch Anhänger anderer Religionen, die mit einem totalitär politischen Anspruch, einen Gottesstaat zu errichten, daherkommen. Doch anders als beim Islam können diese nicht als Hauptströmung betrachtet werden, zumindest nicht im Falle des Christen- und Judentums1.

 

Der oben genannten Affinität steht dem Anschein nach die, von rechten und rechtspopulistischen Gruppen2, formulierte „Kritik“ am Islam entgegen. Doch beim näheren Hinsehen entpuppt sich diese Kritik am Islam überwiegend als Produktion eines kulturalistisch geprägten xenophoben Feindbildes oder ist Ausdruck eines Neids auf Opferbereitschaft, Gemeinschaftssinn und politische Schlagkraft, was aber nicht heißt, dass alles von der Hand zu weisen oder Ausdruck von Femdenhass oder Rassismus ist, was im sehr heterogenen politischen Spektrum des sogenannten Rechtspopulismus gegen die Zumutungen des Islam formuliert wird. Das um so mehr, als eine Kritik am Islam von links heute so gut wie nicht stattfindet. Im Gegenteil: Politisch mehr oder weniger sich als links verstehende Gruppen, Parteien und Verbände halten (sich) Augen und Ohren zu, wenn es um das Thema Islam geht oder sie kollaborieren gleich mit dem Islam und stimmen das Lied vom „antimuslimischen Rassismus“ an, um eben jene zu diskreditieren, die die Werte von der Freiheit des Individuums, der Emanzipation der Frau und von Recht und Demokratie gegen den islamischen Totalitarismus verteidigen. Das ist nicht nur in Europa und Deutschland so, sondern Gang und Gäbe in Kassel.

 

Das fängt in dieser Stadt mit der SPD und Sultan Ben Hilgen an und hört mit jenen auf, die in pawlowscher Manie Rassismus oder Faschismus (oder im akademischen Jargon antimuslimischer Rassismus) rufen, wenn es mal wieder darum geht im Namen des Dialoges, des Respekts und der Integration den Islam vor notwendiger Kritik abzuschirmen, mit den sich auf ihn berufenen Organisationen zusammenzuarbeiten, zu dialogisieren oder dafür zu sorgen, dass der islamischen Propaganda Raum gegeben wird. (vgl. auch unseren Artikel: Unrat der Religionen - Der Kasseler Aufruf zum Märtyrertod) Das Bild links zeigt den Imam und Propagandisten für Märtyrertod und Vernichtung der DITIB-Moschee in Oberzwehren Kassel auf der gleichen Veranstaltung, auf der Ben Hilgen sich wie oben zu sehen ablichten ließ. Der gleiche Hilgen, der aufgrund eines AfD-Standes den Besuch auf der Frühjahrsmesse absagte. (Vgl. HNA 16.02.2017)

 

Zum Thema institutionalisierter interreligiöser Dialog ist das Wesentliche hier schon gesagt worden. Hinter dem dort für die muslimischen Gemeinden platzierten Dialogaugust Mahmut Eryilmaz tummeln sich in Kassel Gruppierungen, wie der Spionageverein des türkischen AKP-Staates DITIB und die islamofaschistische und antisemitische Milli Görüs. Im Umfeld beider agieren wie weiland die Harzburger Front die Auslandsorganisation der islamisitischen AKP die UETD, die ATIP und die ebenfalls islamofaschistische BBP. Obwohl diese Gruppierungen sich in der Vergangenheit nicht immer grün waren, stehen sie heute mehr oder weniger zusammen. Zuletzt manifestierte sich dies im Zusammenhang mit dem Putschversuch in der Türkei und im auch in Deutschland geführten Wahlkampf zur Volksabstimmung in der Türkei in dem auch deutlich wurde, dass eine Verbundenheit zu den Muslimbrüdern existiert. Das hier dargestellte Bild einer türkischen Facebookgruppe in Kassel zeigt im Zusammenhang der Wahlkampagne für Erdogan die Grüße der Grauen Wölfe, der Muslimbrüder und den Zeigefinger als  islamistische Drohgebärde.

 

Zu den Umtrieben des Milli-Görüs Ablegers MHG und seiner Tarnorganisation „Frischer Wind“ in der StuPa der Uni Kassel sei auf einen früheren Text von uns (MHG an der Uni Kassel) und auf einen aktuelleren der Kasseler Hochschulgruppe „Unabhängige Linke Liste LiLi“ verwiesen. Der Abgrund der Unterwerfung und Kollaboration sowie der Verrat an dem was man als links oder der Aufklärung verpflichtet bezeichnen möchte, zeigt sich, wenn es der mit Islamic Relief zusammenarbeitenden MHG ermöglicht wurde, öffentliche Räume wie zum Beispiel die Zentralmensa für ihr Fastenbrechen zu nutzen, das Gebetsräume an der Uni Kassel eingerichtet wurden und wie jüngst, wenn das Fastenbrechen von sich als links wähnenden Gruppen wie zum Beispiel „No One is Illegal 2017“ im Kasseler Nordstadtpark begangen wird3Vor einigen Jahren machte eine Gruppe in in den Sozialen Netzwerken mit einer mutigen Aktion Furore. Sie nennt sich my stealthy freedom. Die Gegenseite hat längst zur Offensive in den Sozialen Netzwerken geblasen und ihre Bündnispartner auch in Kassel gefunden. Die sich progressiv gebende Lara Kannappel, Aktivistin der Jusos und Sachbearbeiterin am Referat Antidiskriminierung des AstA der Uni Kassel, hat sich die Ehre gegeben, den Hijabträgerinnen ihre Gefolgschaft (und die der Jusos gleich mit)  anzudienen. Auch das zeigt, wie weit fortgeschritten die Islamisierung der Sozialdemokraten (vgl. dazu näher: bahamas Nr. 76, 2017) gediehen ist.

 

Aber auch im Zusammenhang der Ermordung Halit Yozgats in Kassel gibt es eigenartige Verbindungen und Bündnisse. Die Frankfurter Rundschau führte am 17.12.2016 aus (Temme führte mehr V-Männer als bekannt), dass der V-Mann-Führer Kleinadolf aus Hofgeismar nicht nur deutsche Nazis im Portefeuille führte, sondern auch Islamisten und andere Figuren, die dem „Ausländerextremismus“ zuzurechnen sind. Auch dieses könnte ein Grund dafür gewesen sein, dass er sich zum Zeitpunkt des Mordes in Halit Yozgats Laden aufhielt und als die polizeilichen Ermittlungen durchgeführt wurden, sich unkooperativ verhielt und / oder ihm ein geheimdienstlicher Maulkorb verpasst wurde. Dass Halit Yozgat eben diesem Spektrum zugehört hat oder mindestens mit Aktivisten der Grauen Wölfe freundschaftliche Kontakte hatte, ist in Kassel ein offenes Geheimnis, dass er vielleicht ein V-Mann Temmes war, eine Möglichkeit unter vielen.

 

Es ist auch (nicht nur) von von uns schon angemerkt worden, dass die Gedenkveranstaltungen4 für das Mordopfer Halit Yozgat den Satrapen der Milli Görüs, der Grauen Wölfe, der UETD und der DITIB als Plattform für ihre öffentliche Auftritte dienen. Auf den Kundgebungen sprechen nicht nur Erdogan-Gesandte wie 2016 der Konsul Mustafa Celik und der UETB-Mann Kamil Saygin (besser bekannt als Vorsitzender des Ausländbeirates Kassel) und wie 2017 der offensichtliche Islamofaschist Konsul Burak Kararti, sondern Milli-Görüs-Aktivisten und Graue Wölfe fungierten auf den Gendenkveranstaltungen als Ordner. Die Gedenkaufmärsche starteten aus der DITIB-Moschee im Westring, einer Örtlichkeit in der Frauen den Seiteneingang benutzen müssen. Die Zusammenarbeit mit Milli Görüs und Grauen Wölfen ist freilich kein Alleinstellungsmerkmal des offiziösen Antifaschismus der Stadt Kassel, sondern diese Bündnisse werden immer wieder auch von den Kasseler Friedens- und Palästinafreunden eingegangen. Dass die offizielle Seite der Stadt Kassel 

nur "Weiße Wölfe" kennt, ist bezeichnend, noch schlimmer ist, dass nachdem Kritik am Verhalten des Sultan Ben Hilgen laut wurde, es von offizieller Seite zur kaum noch als Naivität zu bezeichnende Übernahme der DITIB-Sprachregelung kam (HNA, 11.06.2017; vgl. auch das gleiche Schema in Fürth: Erntedankfest - Aufregung um türkische Fahnen). Die Symbole des islamofaschistischen Türkentums seien folkloristische Beigaben und hätten nichts mit Politik zu tun, das ist so als würde man Nazis abnehmen, das Präsentieren von Hakenkreuzen sei eine Hommage an fernöstliche Traditionen.

 

Es liegt auf der Hand, dass das mörderische Agieren des NSU eine Gefahr für die Demokratie war und Nazis es auch heute sind, eine Gefahr, die sich besonders als eine potentiell tödliche für (vermeintliche oder tatsächliche) Migranten erwies. Dass dies keine neue Entwicklung ist, sondern eine lange Tradition in Deutschland darstellt5, zeigt, wie hilflos der offiziöse Antifaschismus ist, der eher eine Institution für den guten Ruf Deutschlands, denn eine der wirksamen Bekämpfung des Rechtsextremismus ist. Angesichts der globalen Bedeutung des Islamfaschismus erweist sich der Antifaschismus und -rassismus zudem auch noch dann als anachronistischer Popanz, wenn er sich mangels echter Nazis an der AfD austobt und im Islam aber entweder keinen Gegner kennt, ihn zum schützenswerten Kulturgut auslobt oder ihn sogar zum auserkorenen Bündnispartner erklärt.

 

Auch wenn eingangs erwähnt wurde, dass es Affinitäten von Rechtsextremismus und Islam gibt: Die NSU-Terroristen haben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum einen nicht gemutmaßt, dass Yozgat vielleicht selbst mit faschistischem Gedankengut geliebäugelt hat, und hätten sie es gewusst, zum anderen wahrscheinlich auch keine Rücksicht auf diesen Umstand genommen. Halit Yozgat, egal welcher Ideologie er anhing, war Opfer rassistisch motivierten Terrors. Aber ob der Name Halit Yozgat dafür taugt, ein Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzten, oder ob er als Identifikationsobjekt eines zeitgemäß adäquaten Antifaschismus dienen kann, soll hier bezweifelt werden. Der Name steht viel mehr für die allgemeine Blindheit und Impotenz des Antifaschismus von heute. Nicht nur die Haltestelle, die vorher nach dem tatsächlich antifaschistisch agierenden Philipp Scheidemann6 benannt wurde, wird jetzt nach einer Person benannt, die mit den islamofaschistischen Organisationen der türkisch rechten Szene zu tun hatte.

(jd)

 

1Anders sieht dies beim Buddhismus und Hinduismus aus, was aber, weil kein europäisches Problem, ein anderes Thema ist.

2Wobei diese wiederum nicht umstandslos den faschistischen oder gar nazistischen Gruppen zuzurechnen sind. Über die Differenz von AfD und FPÖ zur postnazistischen Ausprägungen der FPÖ unter Haider und des jeweils unterschiedlich zu bewertenden Verhältnis zum Islam, siehe aktuell G. Scheit, Eingeschrumpfter Behemoth und neue 'Souveränisten'. Über die Voraussetzung der Erfolge von FPÖ und AfD, in: Stephan Grigat, AfD & FPÖ, Baden Baden 2017, S. 165 - 181.

3Man könnte nun scherzeshalber fragen, warum nicht auch zur Fronleichnam-Prozession aufgerufen wird, wenn damit nicht der Katholizismus, eine im Vergleich zum Islam geradezu vernunftaffine Religion, mit diesem auf die gleiche Stufe gestellt würde.

4Neben den offiziösen Veranstaltungen gibt es die Gruppe 6. April, die sich von diesen Bündnisformen distanziert, aber zur Person HalitYozgat ebenfalls eine unkritische Haltung einnimmt. Auf dem Portal der Stadt Kassel findet sich ein Überblick über die bisher stattgefundenen Gedenkaktionen. (Halitplatz - Erinnerung an Halit Yozgat

5Nicht nur die widerwillig und und unzureichend durchgeführten Ermittlungen im Zusammenhang des Attentates in München stehen für diese Tradition, sondern der ebenfalls unzureichend bekämpfte Naziterror in der DDR.

6Philipp Scheidemann galt nicht nur in kommunistischen Kreisen lange als einer der Übeltäter beim blutigen Abwürgen der Revolution in Deutschland im Jahre 1918. Hier detailliert auf die Rolle der Mehrheitssozialdemokratie im Zusammenhang auf das Ausbleiben der proletarischen Revolution einzugehen, ist nicht der Platz. Scheidemann ist aber Zeit seines Lebens ein überzeugter Verfechter der Demokratie und Streiter gegen den Antisemitismus gewesen.  

03. August 2017

Khaibar - Khaibar – Allahu Akbar! – Jerusalem ist unser!

 

Das Pferd sei diesmal von hinten aufgezäumt: Nachdem eine Kundgebung in Kassel vom Versammlungsleiter beendet wurde, skandierte die noch nicht nach Hause gelaufene Menge folgende Parolen: „Khaibar Khaibar ya yahud jaish muhammad sa yahud!“ Auf deutsch: „Juden, erinnert euch an Khaibar, die Armee Mohammeds kommt zurück!“

 

Khaibar steht für die islamische Erzählung eines Sieges von Mohammeds Truppen gegen eine damals von Juden bewohnte Stadt auf der arabischen Halbinsel. Sie mussten sich in der Erzählung Mohammed unterwerfen und eine Sondersteuer zahlen, später wurden die meisten von ihnen vertrieben. (Zu Khaibar hier die grundlegenden Infos: Wikipedia) Wenn man diese Zeilen als judenfeindliche bzw. antisemitische Kampfparolen bezeichnet liegt man also nicht falsch.

 

Warum intoniert also eine Menschenansammlung unbehelligt mitten am Tage in einer deutschen Großstadt solche Zeilen?

 

Zur Rekapitulation: Am 14. Juli hatten drei israelische Araber, die bewaffnet vom Tempelberg gekommen waren - die Waffen wurden ihnen in der Al Aksa-Moschee überreicht - in der Altstadt zwei israelische Polizisten erschossen, und waren dann auf den Tempelberg zurückgelaufen, wo sie bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet wurden. Danach stellten die israelischen Sicherheitskräfte Metalldetektoren auf, um solche Vorfälle zukünftig zu vermeiden. Dies führte dann zu den Insurrektionen palästinensischer Gruppierungen mit dem sattsam bekannten Ablauf auch in Deutschland. (Zum Ablauf der jüngsten Insurrektionen in Jerusalem und die Reaktionen der Medien, vgl. z.B. Alex Feuerherd auf Mena-Watch)

 

Zur Solidarisierung mit den Insurgenten mobilisierten Palästinensische Gemeinden überregional. In Kassel rief [...] zu einer Kundgebung für „Al-Aqsa und Al-Quds (= Jerusalem)“ auf. In NRW war in einem Aufruf von "Judaisierungsmaßnahmen" die Rede, die den "Lebensraum" des palästinensischen Volkes und die Religionsfreiheit, "heute Al-Aqsa und morgen die Grabeskirche", bedrohe, man kann davon ausgehen, dass auch die PG in Kassel kein Problem mit solcherlei Formulierungen hätte.

 

[...]

 

Jedenfalls versammelte sich am Freitag eine mit palästinensischen Fahnen drapierte Gruppe Männer mittleren und jüngeren Alters auf der Rathaustreppe in Kassel. Zu Beginn wurde die palästinensische Hymne intoniert. Dort heißt es: „Mein Land, das Land meiner Großväter … meine Nation, die Nation der Ewigkeit“ so wird klar und deutlich der territorialen Anspruch der gewünschten Nation benannt. Der ist mit friedlichen Mitteln nicht umsetzbar. Daher wird folgerichtig mit „Ich werde als Fidai (Guerillero) leben, ich werde Fidai bleiben / Und werde als Fidai sterben, bis wir in unser Land zurückkehren“ sowohl der bewaffnete Kampf und der Märtyrertod beschworen. Im Blut-und-Boden-Duktus wird ein Racheschwur ausgesprochen: „Mit meiner Entschlossenheit, meinem Feuer und dem Vulkan meiner Rache / Dem Verlangen meines Blutes nach meinem Land und Heim“. (Die palästinensische Hymne "Biladi" ist hier übersetzt: Wikipedia)

 

 

Teils ergriffen lauschend, teils die Hymne laut mitsingend posierten die Männer Fahnen schwenkend auf der Rathaustreppe. Danach wurde „Freiheit für Palästina“, „Jerusalem ist unser“ und weitere Parolen auf arabisch skandiert. Mit dem Rücken zum Publikum rief ein Einpeitscher den auf der Treppe positionierten Männern die Parolen zu, die diese dann skandierten. Der Truppe, sorgsam separiert, zur Seite gestellt, waren auch ein paar Frauen, die sich im Habitus jedoch nicht von ihren männlichen Spießgesellen unterschieden. Nach und nach wurden dem Publikum dann auch mit Fahnen drapierte Kleinkinder entgegengehalten, eines davon mit einem Schal, auf dem das Wappen der Fatah zu sehen war: Zwei Maschinengewehre, eine Handgranate und ganz Palästina (= kein Israel) sind dort abgebildet. (Vgl. das Bild oben)

 

Auch einige Männer, mit ihren „abnormalen Bärten“ (Xinhua) und Tschador tragenden Frauen als Anhänger der Salafisten Szene kenntlich, leisteten ihren palästinensischen „Brüdern“ Unterstützung.

 

Zum Schluss wurde dann mehrere Minuten „Allahu Akbar!“ skandiert. Der Mastermind des Café Buchaoase und [...] Jörg Uloth war auch zugegen und bedrängte den Chronisten der Infostelle Antisemitismus Kassel, als auch dieser die Kundgebung fotografisch dokumentierte. Außer unserer Genossen des AK Raccoons und des Bündnis gegen Antisemitismus und einigen uns nahestehenden Einzelpersonen waren keine organisierten Antifaschisten zu sehen, auch nicht die sonstigen üblichen Verdächtigen, die sich in Kassel bei jedem Aufmarsch mehr oder weniger abseitiger (vermeintlicher oder tatsächlicher) Nationalisten, Faschisten und Rassisten sammeln. Auch die Stadt Kassel, die sich dafür rühmt, Partnerstadt der israelischen Stadt Ramat Gan zu sein, und damit, die Geschichte des Nationalsozialismus vorbildlich aufgearbeitet zu haben und den ermordeten und vertriebenen Juden zu gedenken, verhielt sich zu diesem israel- und judenfeindlichen, national-islamischen Zinnober nicht.

 

Das lässt nichts Gutes erwarten. Die Unterstützer der palästinensischen Insurgenten kündigten weitere Kundgebungen an. Es bleibt abzuwarten, ob antifaschistische und demokratische Kräfte in Kassel sich ihrer selbst auferlegten politischen Verantwortung bewusst werden und den aktuell bedrohlichsten Formen des Antisemitismus entgegen treten.

 

BgA-Kassel

AK Raccoons

 

 

[1]Pg ist die Abkürzung von Parteigenosse ('eingeschriebenes Mitglied der NSDAP'), zum Begriff, vgl.: Cornelia Schmitz-Berning, Vokabular des Nationalsozialismus, Berlin, New York 2007, S. 466

 

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