There is no Anti-Zionism without Anti-Semitism
There is no Anti-Zionism without Anti-Semitism

16. August 2017

Wo Engagement drauf steht ist (auch) Antisemitismus drin: documenta 14

Auschwitz on the beach

 

Man mag der documenta gern die pennälerhaften Aphorismen von Title on the Spot und den ganzen Lebensreform-Quatsch verzeihen, weil es ja sonst auch Interessantes auf der Ausstellung gibt. Aber eines ist so überraschungsfrei wie vorhersehbar. Der Anspruch unvermittelt das Kunstwerk dem politischen Engagement "gegen die Bündnisse von etablierter Politik und Geschäft" (Adam Szymczyk) zu unterwerfen führt mit schlafwandlerischer Sicherheit zur Illustrierung des Antizionismus und Antisemitismus. Konnte schon Peter Friedl mit seiner ausgestopften Giraffe auf der documenta 12 den Pokal für den absurdesten Holocaust-Joke erhalten, so wollen jetzt Franco Bifo Berardi, Fabio Stefano Berardi und Dim Sapaio versuchen, den Rekord für die verbalradikalste Holocaust-Verharmlosung für die documenta 14 aufzustellen.

 

„Europeans are building concentration camps on their own territory, and are paying their Gauleiter of Turkey, Libya, and Egypt to do the dirty work on the coast of the Mediterranean where saltwater has replaced Zyklon B.“ heißt es in der Ankündigung. „Dem kunstinteressierten Besucher der Documenta sollte allerdings, wenn er dann ganz betroffen an dem Spektakel teilnimmt, nicht vorenthalten werden, dass es eigentlich auch um den „Gauleiter“ Israel und seinen Einsatz von „Zyklon B“ geht, zwei Details, die die Kuratoren offenbar aus Rücksicht auf etwaige empörte Reaktionen aus dem Originaltext gestrichen haben.“ führt Thomas Osten Sacken zu recht auf Mena-Watch das aus, was eigentlich ausgedrückt werden soll.

 

Kinder lügen nicht

 

An anderer Stelle dieses. Das Bild wird wie folgt betitelt: "Dayr al-Balah, Gaza 2009". Der politisch engagierte Documentabesucher weiß natürlich auch ohne Hoheitszeichen wer hier wer ist. Auf der einen Seite nämlich die schwer bewaffneten Israelis, die auf alles schießen, auf der anderen Seite ein Berg mit Schutt und Leichenteilen, ein UNICEF-Gebäude unter Feuer, dann tapfere Kämpfer, die sich mit ihren Qassam-Raketen den Panzern und Hubschraubern entgegen stellen. Und der Besucher weiß auch, Kinder lügen nicht.

 

Israel? Gibt es nicht!

 

Eine der in der Ausstellung präsentierten Künstlerinnen ist Frau Ahlam Shibli. Auch sie widmet sich dem Thema Vertreibung, wobei sie den Link von den Vertriebenen aus den "östlichen Regionen des ehemaligen deutschen Reichs" zu "Gastarbeitern" aus Südeuropa und Nordafrika hinbekommt. Das geht nur dann, wenn man nichts thematisiert, aber alles problematisch findet. In ihrer anderen Arbeit widmet sie sich der Stadt Hebron mit dem Ziel, das Gebiet der palästinensischen Stadt zu porträtieren. Hebron war eine der arabischen Städte, in der es eine uralte jüdische Gemeinde gab. Die jüdischen Bewohner wurden nach einem Pogrom im Jahre 1929 aus Hebron vertrieben, seitdem gilt Hebron als "judenrein". Erst nach 1967 zogen einige Juden wieder nach Hebron, die dort aber nur unter dem Schutz der Israelischen Streitkräfte (IDF) leben können. Die Künstlerin ist 1970 in Arab al Shibli geboren. Auf der documenta wird das vornehm verschwiegen, sie sei in Palästina geboren, heißt es. Arab al Shibli ist eine Stadt in Israel, in der Araber die Bevölkerungsmehrheit stellen. In Israel stellen die Araber etwa ein Fünftel der Bevölkerung. In den unter palästinensischer Hoheit stehenden Gebieten leben wie auch in vielen arabischen Ländern hingegen seit 1948 keine Juden mehr. Aber bekanntlich arbeitet Ahlam Shibli an einem besseren Verständnis der Gegenwart, nur halt eben mit alternativen Fakten.

 

Vertreibung und Vernichtung

 

Und weil das Thema Vertreibung auf der documenta eben zentraler Bestandteil des politischen Bezuges ist, darf die sogenannte Nakba auch nicht fehlen. 418 Dörfer sind im Krieg 1948 zerstört worden und ein Memorial galt es zu errichten. Und weil der oder die Empörte auch sonst nichts weiß, beim Thema zerstörte Dörfer dürften ihnen die Mordfelder in Weißrussland anno 1941-1943 einfallen. Deutsche Truppen zerstörten damals aber nicht nur die Dörfer, sondern brachten deren Bewohner gleich um. Aber zu viel Differenzierung schadet den Gewissheiten der Empörten, daher sieht der Engagierte nicht nur in Auschwitz on the beach, sondern auch in killing fields in Palästina die richtigen Lehren aus der Geschichte gezogen. Dass Vertreibung und Flucht palästinensischer Araber ein Ergebnis des arabischen Angriffskrieges gegen das gerade gegründete Israel 1948 gewesen sind, dass die allermeisten Bewohner dieser Dörfer ein paar dutzend Kilometer entfernt sich wieder niedergelassen haben wird selbstverständlich ebenso wenig erwähnt, wie die Vertreibung der Juden aus den arabischen Nationen. Dafür gibt es (s.o.) den Bezug zur Umsiedlung, Flucht und Vertreibung der Deutschen am Ende und nach dem 2. Weltkrieg.
(jd / tk)

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