There is no Anti-Zionism without Anti-Semitism
There is no Anti-Zionism without Anti-Semitism

Mai 2017

27. Mai 2017

In der Uni sitzen, während draußen Manchester weint…

 

Der SDS Kassel veröffentlichte am 24. Mai 2017 einen Text (Im Elfenbeinturm sitzen, während draußen die Welt brennt...) in welchem er die Veranstaltungsreihe „Reaktionäre Ideologien im fortschrittlichen Gewand” (organisiert von der Antidiskriminierungsstelle des AStA der Uni Kassel, dem BgA Kassel und dem ak:raccoons) zu kritisieren versucht. Neben der für uns kostenlosen Werbung möchten wir uns dabei für die beispiellose Inhaltsleere der Kritik bedanken. Dies erspart uns die Arbeit uns ernsthaft mit dem SDS Kassel auseinandersetzen zu müssen. Nun zur „Kritik des SDS“:


 

1. Die Auswahl der ReferentInnen

Der SDS stört sich an der Auswahl der ReferentInnen für die Veranstaltungsreihe. Spezifisch geht es um ReferentInnen aus dem Umfeld der Zeitschrift Bahamas. Diese Art eines Beißreflexes seitens linker Gruppierungen ist weder neu noch verdient er einer genaueren Betrachtung. Die Stichworte Pegida, AfD, Rassismus und Sexismus reichen und das Selbstdenken ist abgeschaltet. Wir können keine inhaltliche Nähe zwischen Bahamas und Pegida feststellen – selbst wenn der SDS Kassel es sich noch so sehr ersehnt und sehen schlicht die Relevanz nicht unsere Zeit mit solchen Vorwürfen zu verschwenden. Abschließend sei an dieser Stelle gesagt: Wen und warum wir einladen entscheiden allein wir!


 

2. Themenschwerpunkt Islam

Der SDS Kassel wundert sich wohl über den „roten Faden Islam“ und zeigt gerade an dieser  Stelle die wichtige Bedeutung unserer Veranstaltungsreihe. Der SDS behauptet die bahamas, das BgA-Kassel und das AK Raccoons würden aus dem Islam eine monolithische Ideologie konstruieren. Diese banale Sprechblase aus dem Hause der Postmoderne ist so unsinnig wie abgeschmackt. Selbstverständlich gibt es viele unterschiedliche ideologische Ausprägungen dessen was sich Islam schimpft, so wie es einst mit den faschistischen Bewegungen war und ist. Nur, diese zu begreifen kann nur, wer in der Lage ist, diese auf einen zu Begriff bringen - eben auf den Begriff des Islam. Wer daher kommt und meint, diesen aber dekonstruieren zu müssen, wirft jede Möglichkeit über Bord, gegen diese Ideologie zu Felde zu ziehen. Und man fragt sich dann, was treibt eine Truppe wie den SDS an, alles das über Bord zu werfen, was mit Kritik und Intervention im Sinne einer kritischen Theorie, ja auch im Sinne der Marxschen Theorie zu tun hat, sich aber immer noch mit einem Konterfei von Marx zu schmücken. Angesichts dessen, dass der Islam in seinen unterschiedlichen Ausprägungen aktuell der wirkmächtigste Feind der Aufklärung, des Humanismus und der Emanzipation, aber auch der sogenannten Werte der westlichen Welt ist, ist es da "Feigheit vor dem Feind", oder die Hoffnung auf Tabula Rasa, die die Resteverwalter einer impotenten Ideologie eines Partei- und "Arbeitermarxismus" seligen Angedenkens antreibt. Es scheint dieses das Programm, nicht nur des SDS, sondern insgesamt einer intelektuell verlotterten Linke(n) zu sein. Hätten die Mitglieder des SDS den Text zur Veranstaltungsreihe gelesen und sich mit den Inhalten auseinandergesetzt wäre dies evtl. nicht geschehen. Hilfsbereit wie wir sind:


 

Unter dem edlen Banner des Progressiven firmiert dieser Tage allerlei, nicht selten jedoch entpuppt sich das vermeintlich fortschrittliche bei genauerer Betrachtung als reaktionäre Ideologie. Im Namen des Antirassismus und Antisexismus etablieren sich postmoderne Theorien und Ideen, wie die Critical Whiteness und der Kulturrelativismus, welche den Einsatz für Minderheiten vorgeben, während sie Menschen kategorisieren und vermeintlichen Kulturen zuschreiben, um letztere vor Kritik zu schützen. Besonders großer Beliebtheit erfreut sich diese Methode derzeit im Hinblick auf den Islam. Statt Muslime als mündige Individuen zu begreifen, werden sie mit der Religion in eins gesetzt, wodurch ermöglicht werden soll, jene mit einem Rassismusvorwurf zu brandmarken, die den Islam kritisieren. Gleichzeitig versucht man, islamische Symbolik, wie das Kopftuch, welches für Misogynie und die massive Unterdrückung von Frauen auf der ganzen Welt steht, zu einem widerständigen Symbol umzudeuten, wie zum Beispiel beim "Women's March" gegen Trump geschehen. Den etlichen Frauen und Männern, die aus islamischen Gesellschaften kommen oder noch in ihnen ausharren und den Islam kritisieren, die dafür ihr Leben riskieren und oft genug auch genommen kriegen, kehren die Vertreter besagter Konzepte den Rücken zu. Denn es geht ihnen nicht um universell gültige, individuelle Freiheiten, sondern um die Freiheit kollektiver Zwänge und somit die absolute Unfreiheit. Den Islam selbst, wie auch jene antiemanzipatorischen Ideologien, die angetreten sind, den Universalismus der Aufklärung zu bekämpfen, will die Vortragsreihe fokussieren, um ihnen das fortschrittliche Gewand zu nehmen.


 

Ungekürzte Fassung gibt es hier.


 

3. Sören Pünjer

Als dritten und letzten Punkt verweilt der SDS Kassel bei unsere Wahl des Referenten Sören Pünjer. Gerne würden wir uns näher mit der Kritik auseinandersetzten, doch da es der SDS versäumt hat mit Verweisen zu arbeiten fällt uns dies leider schwer. Wir verweisen an dieser Stelle auf den Artikel Pünjers (Im Geiste Winston Churchills), welcher wohl die Basis der Kritik darstellen soll.


 

Was am Beispiel der Kritik des SDS Kassel deutlich wird:


 

In Zeiten, in denen der Dialog oder gar Bündnisse mit islamischen Gruppen und mit Muslimen en vogue sind und nicht nur von Leuten wie Todenhöfer und Lejeune propagiert werden, sondern auch von Vertretern der sogenannten Zivilgesellschaft bis hin zu den Linken unterschiedlichster Provenienz, wie es auf dem alljährlichen Kongreß "Marx is Muss 2017" beispielhaft vorgeführt wird, wird deutlich, wie tief eine Bewegung gesunken ist, die ihre Ursprünge auch in einer Religionskritik hatte. An Stelle der Kritik ist der Kampf gegen die Aufklärung und gegen den Westen gerückt und zeitgt sich in solchen Bündnissen von der widerlichsten Seite.


 

Da ist es natürlich folgerichtig, eine Veranstaltungsreihe wie die unsere mit ein paar Signalwörtern zu versuchen zu diskreditieren, jegliche Begrifflichkeit über Bord zu werfen und zu den Umtrieben der islamofaschistischen MHG an der Uni Kassel zu schweigen. Nichts zeigt deutlicher, wie notwendig eine Veranstaltungsreihe ist, die Basics im Themenbereich Quellenrecherche und Aufklärung vermittelt.

25. Mai 2017

Vortragsreihe „Reaktionäre Ideologien im fortschrittlichen Gewand“

 

In dem Aufruf zur Demonstration „MuslimBanAustria – Mein Körper, mein Recht auf Selbstbestimmung“ am 04.02.17 in Wien gegen das geplante Integrationspaket, das ein Verbot der Vollverschleierung und das Kopftuchverbot bei uniformierten Exekutivbeamten, Richtern und Staatsanwälten vorsieht, heißt es: „Viel mehr als nur ein ‚Kopftuchverbot‘! Bei dieser Demonstration geht es nicht nur um das Kopftuchverbot, sondern um Menschen- und Minderheitenrechte, um Antidiskriminierung, um Gleichberechtigung und vor allem um das Selbstbestimmungsrecht der Frau. Es handelt sich hierbei de facto um Berufsverbote ausschließlich für Frauen, die einer religiösen Minderheit angehören. Wieder einmal wollen Männer über Frauen und ihre Körper bestimmen. Das weisen wir entschieden zurück!“

 

Doch was ist eigentlich mit Minderheitenrechten, Antidiskriminierung, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung in diesem Kontext gemeint? Gemeint ist nicht die individuelle Freiheit, die man mit den drei letztgenannten Begriffen in Verbindung bringen könnte. Stattdessen werden „kulturelle Freiheit“, die „Freiheit“ kollektiver Ordnung, Regelungen und Gewohnheiten verlangt. Nicht universelle Menschenrechte, sondern islamische Kulturrechte werden gegen das Kopftuchverbot gefordert. Dabei wäre ein Kopftuchverbot eben nicht ein „Berufsverbot ausschließlich für Frauen, die einer religiösen Minderheit angehören“, sondern ein reines Verbot des Tragens eines unterdrückenden religiösen Symbols, das nicht, wie oftmals gerne verklärt wird, ein einfaches, frei gewähltes Accessoire darstellt. „Nicht immer verbirgt sich ein drohender Vater, Bruder oder Ehemann hinter der Entscheidung für die Verhüllung. Aber immer ein strafender, patriarchaler Gott.“ (Ahmad Mansour) Die Frau wird, indem sie sich durch Verhüllung vor dem Begehren der Männer und die Männer vor der „Sünde der Versuchung“ schützen soll, auf ein Sexualobjekt reduziert und gleichzeitig desexualisiert.

 

Das wirklich diskriminierende, eine Gleichberechtigung ausschließende und die Selbstbestimmung der Frau verwehrende in diesem Kontext ist also das Kopftuch selbst. Doch anstatt die Worte „Mein Körper, mein Recht auf Selbstbestimmung“, „Wieder einmal wollen Männer über Frauen und ihre Körper bestimmen“ sowie Plakate mit der Aufschrift: „Ich will meine Freiheit“ gegen das islamische Patriarchat zu richten, sind die Adressaten leider die, die zumindest eine Ausdrucksform von eben jenem, die Vollverschleierung, aufheben wollen. Die Forderung nach Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Menschenrechten erscheint somit als Farce und das Einzige, das bleibt, ist die Forderung nach islamischen Kulturrechten, womit sie sich, konträr zum universalistischen Anspruch der Moderne, als reaktionäre Ideologie entlarvt.

 

An dieser Stelle wäre von westlichen Feministinnen, welche in Ländern leben, in denen die erkämpfte Stellung der Frau in der Gesellschaft im Vergleich zu anderen, nicht-westlichen, Ländern deutlich besser ist, zu erwarten, dass sie Frauen, die sich von einem islamischen Patriarchat zu befreien versuchen, unterstützen und fortschrittliche Forderungen und einen Kampf um Unabhängigkeit mit eben jenen Frauen zusammen führen. Dass sie Frauen in ihre Kämpfe einbeziehen und mit ihnen gemeinsam gegen die islamische Ideologie, dem mittlerweile auch Frauen, Juden, Homo- und Transsexuelle in westlichen Großstädten ausgesetzt sind, vorgehen. Doch das ist innerhalb weiter Teile der Linken, in der sich die o.g. Feministen bewegen, leider nicht der Fall. Stattdessen werden Frauen, so wie in Wien geschehen, in ihren Forderungen, in eben jenen unterdrückenden Verhältnissen bleiben zu können, begleitet und gefördert, während emanzipierten Frauen muslimischen Hintergrundes, die sich gegen das islamische Patriarchat stellen, wiederum oftmals vorgeworfen wird, sie würden sich der westlichen Kultur „unterwerfen“.

 

Wenn in diesen, die linke Szene dominierenden, „antisexistischen“ und „antirassistischen“ Strömungen Toleranz, Freiheit und Rechte gefordert werden, sind damit leider (meistens) nicht universale Menschenrechte gemeint, die für alle Individuen gelten sollten, sondern die bedingungslose Akzeptanz kultureller Praktiken und Lebensweisen, sofern sie nicht westlicher Provenienz sind, obgleich diese konträr zur ihrem eigenen emanzipatorischen Anspruch stehen, individuelle Freiheiten einschränken oder gar Menschen diskriminieren. Universale Rechte werden dabei als eurozentristisch abgetan und an Stelle dessen ein Partikularismus und Multikulturalismus gefordert, die es ermöglichen sollen, kulturelle Rechte und Einschränkungen unter Artenschutz zu stellen. Frauen, denen man andere Kulturen zuschreibt, bleiben somit die Fortschritte, welche in westlichen Gefilden gemacht werden konnten, verwehrt. Während diese „Linken“ versuchen, gegen die Neue Rechte zu kämpfen, fördern sie jedoch gerade durch diese Zuschreibungen die ethnopluralistischen Vorstellungen eben jener. Denn wie auch beim Ethnopluralismus werden in diesen Kreisen Menschen nicht als Individuen erfasst, sondern Individuen auf naturalisierende und kollektivistische Weise unter Kulturen subsumiert. So wird suggeriert, dass Individuen sich nicht von ihren Kollektiven lösen könnten, und verlangt, dass sie auch in diesen verbleiben. Auf diese Weise werden Individuen entwertet und nur als Teile einer Kultur erfasst, womit das Differenzieren zwischen Kollektiven und Individuen nicht mehr stattfindet, weshalb jede Kritik an ersteren als rassistisch wahrgenommen wird. Eine Behauptung, die nur innerhalb der eigenen kollektivistischen und damit letztlich selbst rassistischen Denkweise aufrecht erhalten werden kann.

 

Die Erwähnung von Gleichberechtigung, Respekt und Toleranz in diesen antirassistischen und antisexistischen Kreisen der linken Szene findet nur noch in Bezug auf die Erhaltung, dem Individuum übergeordneter, kollektiv-artiger Kulturen statt. Die Zwänge dieser Kulturen werden dabei unsichtbar und die Freiheit und Emanzipation aller Individuen weltweit unmöglich gemacht. Um jedoch gerade dieser antiemanzipatorischen Entwicklung etwas entgegenzusetzen, müssen eben jene Ideologien im fortschrittlichen Gewand dechiffriert werden.

Dies soll Ziel der Veranstaltungsreihe sein. Themen wie Antisemitismus, Multikulturalismus und Kulturrelativismus, Antirassismus, Critical Whiteness, Religionsfreiheit, Alltagsislam und Islamismus, Frauen im und feministische Kritik am Islam und türkischer Nationalismus sollen in ihren aktuellen Zuständen dargestellt, analysiert und diskutiert werden.

 

Aktuelle Infos zu den Veranstaltungen auf den Facebookseiten der beteiligten Gruppen!

 

Die Veranstaltungen auf einem Blick

 

1. Veranstaltung: Patsy l’Amour laLove
11.05.17 | 18:00 Uhr | Universität Kassel, Arnold-Bode-Str. 8, Raum: 0113/0114

„Beissreflexe – Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten und Sprechverboten“ – Vortrag und Buchvorstellung

 

2. Veranstaltung: Sama Maani
01.06.17 | 18:00 Uhr | Universität Kassel | Arnold-Bode-Str. 2, Raum 0404

„Warum wir über den Islam nicht reden können“ – Vortrag und Diskussion

 

3. Veranstaltung: Sigrid Herrmann-Marschall
08.06.17 | 18:00 Uhr | Universität Kassel |Holländischer Platz | [RAUM FOLGT]

Lokale islamistische Szene. Ideologie, Strukturen,Verflechtungen

 

4. Veranstaltung: Nina Scholz
15.06.17 | 18:00 Uhr | Universität Kassel |Holländischer Platz [RAUM FOLGT]

Symbole der Ungleichstellung – Kopftuch und Islamismus

 

5. Veranstaltung: Sören Pünjer
20.06.17 | 18:00 Uhr | Universität Kassel| Holländischer Platz [RAUM FOLGT]

Fifty shades of black and white – Der politisch korrekte Rassismus der Critical Whiteness

 

6. Veranstaltung: Naida Pintul und Lena
23.06.17 | 20:00 Uhr | Universität Kassel| Holländischer Platz [RAUM FOLGT]
Zur feministischen Kritik an Queerfeminismus und Islam

 

7. Veranstaltung: Orhan Sat
27.06.17 | 18:00 Uhr | Universität Kassel | Holländischer Platz [RAUM FOLGT]
Wie heulen Graue Wölfe?

 

22. Mai 2017

Schon wieder: Parolen auf den Plakaten der Partei „Die Linke“

 

Am 24.04.2017 versahen mutmaßlich rechtsextreme Täter Plakate der Partei „Die Linke“ in Kassel mit antisemitischen Parolen. Wir hatten dies dokumentiert. Nun betreiben die Parteigänger dieser Truppe das Geschäft selbst. Das notorische Café Buchoase hat einen Passagier des Frauendecks der Mavi-Mamara geladen.

 

 

Doch nicht nur dort hat sich die Dame einen Namen gemacht. Ihre Mitverantwortung für die sogenannte Toilettengate brachte sie auf den vierten Platz der Top Ten Worst Global Antisemitic / Anti-Israel Incidents Liste des Simon Wiesenthal-Centrums. Offiziell schimpft sich diese Frühstücksverleumdnerin „Menschenrechtsbeauftragte der Linken“. Was sich auf den ersten Blick ehrenhaft anhört, ist bekanntlich eine übel beleumundete Auszeichnung. In der UNO befleißigt sich ein Rat derselben damit, das rechtsstaatlich und demokratisch verfasste Israel regelmäßig zu verurteilen (vgl. z.B. Alex Feuerherdt, UN-Menschenrechtsrat. Blanker Antisemitismus im alten Stil). Die Dame vom Frauendeck ist also durchaus eine vom Fach und einen kompetenten Moderator hat diese Veranstaltung auch noch zu bieten.

 

(jd)

10. Mai 2017

14. Mai 1948 – 14. Mai 2017

 

120 Jahre Zionismus    69 Jahre Israel    50 Jahre Befreiung Jerusalems

 

 

Am 13. Mai 2017 ab 14.00 Uhr in der Oberen Königstraße Ecke Wilhelmstraße

06. Mai 2017

Patsy l’Amour laLove: Beißreflexe

 

Buchpräsentation und Diskussion mit Patsy l’Amour laLove am 11. Mai 2017.
Eine gemeinsame Veranstaltung mit dem AK Raccoons und dem ASTA der Uni Kassel

 

Es wird das Buch der Autorin „Beissreflexe – Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten und Sprechverboten“ vorgestellt.

 

Foto: Dragan Simicevic Visual Arts

 

Queer steht für eine selbstbewusst perverse Entgegnung auf den heterosexuellen Wahnsinn und die Feindseligkeit gegen das Anderssein. Im queeren Aktivismus aber hat eine Verschiebung der Perspektive sattgefunden. Er operiert häufig mit Konzepten wie „Critical Whiteness“, „Homonormativität“ und „kulturelle Aneignung“. Ein Kampfbegriff lautet „Privilegien“ und wittert hinter jedem gesellschaftlichen Fortschritt den Verrat emanzipatorischer Ideale. Oft erweckt dieser Aktivismus den Anschein einer dogmatischen Polit-Sekte. Das Ziel ist nicht selten die Zerstörung des sozialen Lebens der Angegriffenen. In dem Sammelband widmen sich 27 Autor_innen dieser Form von queerem Aktivismus und ihren theoretischen Hintergründen aus einer Perspektive, die an die teilweise vergessene oder abgewehrte selbstbewusste Entgegnung von Queer anschließt.

Der Vortrag findet statt im Rahmen einer Reihe zum Thema: Reaktionäre Ideologien im fortschrittlichen Gewand.

 

Patsy l’Amour laLove, Geschlechterforscherin und Polit-Tunte aus Berlin,promoviert zur Schwulenbewegung der 1970er Jahre und arbeit als Kuratorin sowie im Archiv Schwulen Museum* Berlin.

 

Veranstaltungsort: Uni Kassel

 

Beginn 18.00 Uhr

06. Mai 2017

Naidoo und die Eier in der Hose

 

Die Stadthalle Kassel, so heißt es auf der Homepage derselben, sei einzigartig, zukunftsweisend und in der Mitte. Am 14.05.2017 tritt dort Xavier Naidoo mit seinen Söhnen Mannheims auf. Xavier Naidoo hat viele Fans unter anderem auch in der NPD, die meint, Naidoo sei der einzige Promi Deutschlands, der noch Eier in der Hose hat. Heute mokiert sich Maja Yüce in einem launigen Artikel in der HNA darüber, dass die Stadt Mannheim rumeiere und dass sich Künstlerkollegen wie Sarah Connor, Gregor Meyle, Sasha Moses Pelham und BossHoss über Naidoos musikalische Qualitäten überschwänglich lobend äußerten, zu seinen fragwürdigen Texten aber schweigen würden. Zu diesen Leuten gehört auch die Kasseler Sängerin Katja Friedenberg, die es eine Schande fand, dass man 2015 Naidoo aus dem Sängerwettbewerb warf.

 

Zurück zu den Eiern in der Hose, die hat auch die Stadt Kassel nicht. Die HNA stellt in einem anderen Beitrag zu dem Lied „Marionetten“ der Söhne Mannheims am 05.05.2017 völlig richtig fest: „Wer sind die Marionetten, wer die Steigbügelhalter? Indirekt könnte diese harmlos wirkenden Passage jedoch ein altes antijüdisches Vorurteil enthalten – darauf weist unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung hin. Das Bild des jüdischen „Puppenspielers“, der die Fäden im Hintergrund zieht, ist schließlich ein bekanntes Element des Antisemitismus. Die Bundeszentrale für politische Bildung warnt, dass „Verschwörungstheorien, die Juden Macht und Einfluss in der Finanz- oder Medienwelt“ zuschreiben, häufig nur unterschwellig und teilweise auch unbewusst transportiert würden.“

 

Die Stadt Kassel vermarktet und bewirtschaftet die Stadthalle. Die Initiative zum Bau der Stadthalle Kassel geht auf den jüdischen Textilunternehmer und Gründer des Vorderen Westens Sigmund Aschrott zurück. Er stellte seiner Heimatstadt den Bauplatz kostenlos zur Verfügung, mit der Auflage, dort für die Bürger Kassels ein kulturelles Zentrum zu schaffen. Zur Kultur im Verständnis der Stadt Kassel gehören wohl auch solche Bänkelsänger und Wahnmichel wie Naidoo, denn die Stadt hat offensichtlich keine Probleme damit, diesem Propagandisten des völkischen Wahns „das passende Ambiente“ zu bieten, denn egal ob „groß, glamourös und repräsentativ oder klein, gemütlich und geradlinig – wir kreieren die passende Atmosphäre für Ihren Anlass!“ und sei es dafür, dem Volk die Augen zu öffnen, dem wütenden Bauer die Forke in die Hand zu drücken und die Strippenzieher in Fetzen zu zerreißen.

 

Am Abend des Konzertes, werden ein paar von uns zugegen sein und mit angefügtem Flugblatt die Besucher behelligen: Naidoo

 

Siehe auch grundsätzlich: Jonas Engelmann: Am seidenen Faden. Xavier Naidoos Song „Marionetten“ steht in der schlechten Tradition populistischer Kapitalismuskritik im Popsong.

 

(jd)

01. Mai 2017

Rinks und Lechts – Antisemitismus eint

Was REVOLUTION und Antisemiten in der AfD eint: Der Haß auf Israel

 

REVOLUTION und AfD, sie mögen sich spinne feind sein. Die Einen rufen im Bündnis gegen Rechts Kassel oder wie jüngst in loseren Zusammenhängen dazu auf, die Anderen an ihren Treffen zu hindern und fühlen sich dabei wie die Interbrigadisten damals in Spanien, diese Anderen würden jene am liebsten im Gefängnis und im Steinbruch sehen. Eines eint sie jedoch: Der Haß auf Israel. Während die REVO, die nach eigenen Angaben gegen jeden Nationalismus vorgeben zu kämpfen, anläßlich des 1. Mai in Berlin zusammen mit der BDS, diversen Pro-Palästina-Gruppen u.a. die Palästinafahne hissen und zur Befreiung ganz Palästinas aufrufen, ist es bei der AfD komplizierter. Der nordhessische AfD-Aktivist, Putinfan und Judenhasser Gottfried Klasen und ein Wolfgang Gedeon mögen in ihrer Partei eher isoliert sein, waren aber beide als Delegierte auf dem Parteitag 2017 in Köln gewesen.

 

Wie auf dem Bild dokumentiert, hat Klasen jüngst einen Beitrag gepostet, auf dem der insbesondere in rechtsextremistischen und Querfront-Kreisen gern genutzte Begriff JSIL genutzt wird und Israel vorgeworfen wird, Verbündeter des IS zu sein. Ein Follower Klasens pflichtet diesem bei und bringt unwidersprochen den „Ewigen Juden“ ins Spiel. Im Gegensatz zu den Revos gibt es aber in der AFD und ihrem Umfeld Widerspruch zu diesen Positionen – das macht Leute wie Klasen nicht besser und ihren Anhang nicht ungefährlich, vor allem deswegen, weil der Widerspruch halbherzig bleibt. Doch selbst der halbherzig vorgebrachte Widerspruch unterscheidet die AfD von der REVO.

 

Widerspruch bei der REVO ist maximal ein unbegriffener Begriff, der irgendetwas mit Kapitalismus und Dialektik zu tun hat, in den eigenen Reihen jedoch mit Verrat gleichgesetzt wird. Dass solche Kanaillien wie die REVO im übrigen bei jenen geduldet werden, die jüngst den Protest gegen die AfD organisierten, macht das Anliegen letzterer nicht gerade glaubwürdig.

 

(jd)

 

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