There is no Anti-Zionism without Anti-Semitism
There is no Anti-Zionism without Anti-Semitism

27. Mai 2017

In der Uni sitzen, während draußen Manchester weint…

Der SDS Kassel veröffentlichte am 24. Mai 2017 einen Text (Im Elfenbeinturm sitzen, während draußen die Welt brennt...) in welchem er die Veranstaltungsreihe „Reaktionäre Ideologien im fortschrittlichen Gewand” (organisiert von der Antidiskriminierungsstelle des AStA der Uni Kassel, dem BgA Kassel und dem ak:raccoons) zu kritisieren versucht. Neben der für uns kostenlosen Werbung möchten wir uns dabei für die beispiellose Inhaltsleere der Kritik bedanken. Dies erspart uns die Arbeit uns ernsthaft mit dem SDS Kassel auseinandersetzen zu müssen. Nun zur „Kritik des SDS“:


 

1. Die Auswahl der ReferentInnen

Der SDS stört sich an der Auswahl der ReferentInnen für die Veranstaltungsreihe. Spezifisch geht es um ReferentInnen aus dem Umfeld der Zeitschrift Bahamas. Diese Art eines Beißreflexes seitens linker Gruppierungen ist weder neu noch verdient er einer genaueren Betrachtung. Die Stichworte Pegida, AfD, Rassismus und Sexismus reichen und das Selbstdenken ist abgeschaltet. Wir können keine inhaltliche Nähe zwischen Bahamas und Pegida feststellen – selbst wenn der SDS Kassel es sich noch so sehr ersehnt und sehen schlicht die Relevanz nicht unsere Zeit mit solchen Vorwürfen zu verschwenden. Abschließend sei an dieser Stelle gesagt: Wen und warum wir einladen entscheiden allein wir!


 

2. Themenschwerpunkt Islam

Der SDS Kassel wundert sich wohl über den „roten Faden Islam“ und zeigt gerade an dieser  Stelle die wichtige Bedeutung unserer Veranstaltungsreihe. Der SDS behauptet die bahamas, das BgA-Kassel und das AK Raccoons würden aus dem Islam eine monolithische Ideologie konstruieren. Diese banale Sprechblase aus dem Hause der Postmoderne ist so unsinnig wie abgeschmackt. Selbstverständlich gibt es viele unterschiedliche ideologische Ausprägungen dessen was sich Islam schimpft, so wie es einst mit den faschistischen Bewegungen war und ist. Nur, diese zu begreifen kann nur, wer in der Lage ist, diese auf einen zu Begriff bringen - eben auf den Begriff des Islam. Wer daher kommt und meint, diesen aber dekonstruieren zu müssen, wirft jede Möglichkeit über Bord, gegen diese Ideologie zu Felde zu ziehen. Und man fragt sich dann, was treibt eine Truppe wie den SDS an, alles das über Bord zu werfen, was mit Kritik und Intervention im Sinne einer kritischen Theorie, ja auch im Sinne der Marxschen Theorie zu tun hat, sich aber immer noch mit einem Konterfei von Marx zu schmücken. Angesichts dessen, dass der Islam in seinen unterschiedlichen Ausprägungen aktuell der wirkmächtigste Feind der Aufklärung, des Humanismus und der Emanzipation, aber auch der sogenannten Werte der westlichen Welt ist, ist es da Feigheit vor dem Feind, oder die Hoffnung auf Tabula Rasa, die die Resteverwalter einer impotenten Ideologie eines Partei- und "Arbeitermarxismus" seligen Angedenkens antreibt. Es scheint dieses das Programm, nicht nur des SDS, sondern insgesamt einer nicht nur intellektuell, sondern auch moralisch  verlotterten Linke(n) zu sein. Hätten die Mitglieder des SDS den Text zur Veranstaltungsreihe gelesen und sich mit den Inhalten auseinandergesetzt und diese verstanden, hätte dies dem SDS die Verwunderung ersparen können und vielleicht ein kleines Loch in ihr Brett vor dem Kopf gebohrt - aber darauf zu hoffen, ist wie Eulen nach Athen zu tragen. Trotzdem hilfsbereit wie wir sind:


 

Unter dem edlen Banner des Progressiven firmiert dieser Tage allerlei, nicht selten jedoch entpuppt sich das vermeintlich fortschrittliche bei genauerer Betrachtung als reaktionäre Ideologie. Im Namen des Antirassismus und Antisexismus etablieren sich postmoderne Theorien und Ideen, wie die Critical Whiteness und der Kulturrelativismus, welche den Einsatz für Minderheiten vorgeben, während sie Menschen kategorisieren und vermeintlichen Kulturen zuschreiben, um letztere vor Kritik zu schützen. Besonders großer Beliebtheit erfreut sich diese Methode derzeit im Hinblick auf den Islam. Statt Muslime als mündige Individuen zu begreifen, werden sie mit der Religion in eins gesetzt, wodurch ermöglicht werden soll, jene mit einem Rassismusvorwurf zu brandmarken, die den Islam kritisieren. Gleichzeitig versucht man, islamische Symbolik, wie das Kopftuch, welches für Misogynie und die massive Unterdrückung von Frauen auf der ganzen Welt steht, zu einem widerständigen Symbol umzudeuten, wie zum Beispiel beim "Women's March" gegen Trump geschehen. Den etlichen Frauen und Männern, die aus islamischen Gesellschaften kommen oder noch in ihnen ausharren und den Islam kritisieren, die dafür ihr Leben riskieren und oft genug auch genommen kriegen, kehren die Vertreter besagter Konzepte den Rücken zu. Denn es geht ihnen nicht um universell gültige, individuelle Freiheiten, sondern um die Freiheit kollektiver Zwänge und somit die absolute Unfreiheit. Den Islam selbst, wie auch jene antiemanzipatorischen Ideologien, die angetreten sind, den Universalismus der Aufklärung zu bekämpfen, will die Vortragsreihe fokussieren, um ihnen das fortschrittliche Gewand zu nehmen.


 

Ungekürzte Fassung gibt es hier.


 

3. Sören Pünjer

Als dritten und letzten Punkt verweilt der SDS Kassel bei unsere Wahl des Referenten Sören Pünjer. Gerne würden wir uns näher mit der Kritik auseinandersetzten, doch da es der SDS versäumt hat mit Verweisen zu arbeiten fällt uns dies leider schwer. Wir verweisen an dieser Stelle auf den Artikel Pünjers (Im Geiste Winston Churchills), welcher wohl die Basis der Kritik darstellen soll.


 

Was am Beispiel der Kritik des SDS Kassel deutlich wird:


 

In Zeiten, in denen der Dialog oder gar Bündnisse mit islamischen Gruppen und mit Muslimen en vogue sind und nicht nur von Leuten wie Todenhöfer und Lejeune propagiert werden, sondern auch von Vertretern der sogenannten Zivilgesellschaft bis hin zu den Linken unterschiedlichster Provenienz, wie es auf dem alljährlichen Kongreß "Marx is Muss 2017" beispielhaft vorgeführt wird, wird deutlich, wie tief eine Bewegung gesunken ist, die ihre Ursprünge auch in einer Religionskritik hatte. An Stelle der Kritik ist der Kampf gegen die Aufklärung und gegen den Westen gerückt und zeigt sich in solchen Bündnissen von der widerlichsten Seite.


 

Da ist es natürlich folgerichtig, eine Veranstaltungsreihe wie die unsere mit ein paar Signalwörtern zu versuchen zu diskreditieren, jegliche Begrifflichkeit über Bord zu werfen und zu den Umtrieben der der islamofaschistischen MHG an der Uni Kassel zu schweigen. Nichts zeigt deutlicher, wie notwendig eine Veranstaltungsreihe ist, die Basics im Themenbereich Quellenrecherche und Aufklärung vermittelt.

 

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